Was passiert in unserem Gehirn und Körper, wenn wir im Stress sind?

Aktualisiert: 12. Sept. 2021

Kurz vor einer wichtigen Präsentation gibt es Pannen und wir kommen in Stress. Was genau passiert dabei in unserem Körper und Gehirn? Und weshalb ist es gefährlich, wenn sich eine Stress-Situation an die andere reiht und der Stress einfach nicht mehr aufhört?


Die Stressprozesse in unserem Körper laufen sehr autonom ab. Zuständig dafür ist unser autonomes (vegetatives) Nervensystem. Wir können dieses mit unserem Willen nicht direkt beeinflussen, so, wie wir uns dafür entscheiden können, die Hand zu heben, um nach der Kaffeetasse zu greifen. Zuständig dafür ist unser willkürliches Nervensystem.


Wenn wir drei Minuten vor einer sehr wichtigen Präsentation merken, dass wir das Laptop-Kabel zu Hause vergessen haben und der grüne Balken nur noch 28% anzeigt, kann es schon sein, dass Stressgefühle aufkommen. Wenn wir dann auch noch realisieren, dass die die Änderungen vom Vorabend gar nicht in der Präsentation enthalten sind und sich ein unschöner Kaffeefleck auf dem hellen Shirt breit macht, dann kommen wir allmählich ins Schwitzen und spüren, dass der Puls sich beschleunigt.


Was ist passiert? Im limbischen System ist es zuerst zur Aktivierung des Sympathikus gekommen – ein Nervengeflecht, über welches blitzschnell die Katecholamine Adrenalin, Noradrenalin und Dopamin ausgeschüttet werden. Diese bewirken u.a., dass sich unser Herzschlag erhöht und der Blutdruck steigt, damit unser Körper mehr Sauerstoff bekommt. Der Blutzuckerspiegel steigt ebenfalls, der Atem wird schneller, die Bronchien weiten sich. Gleichzeitig werden alle Funktionen, die gerade nicht lebensnotwendig sind (z.B. Sexualfunktion, Verdauung) unterdrückt. Wir sind bereit für Kampf oder Flucht bzw. für schnelles und fokussiertes Handeln, um die akute Stress-Situation zu bewältigen.

Der Moderator gibt das Zeichen anzufangen. Bei der ersten Grafik: ein Blackout. Wir erinnern uns nicht mehr daran, wie wir die Grafik erläutern wollten. Schuld daran ist das Cortisol, welches auf der hormonellen Stressachse ausgeschüttet wird. Aber was genau hat dies mit unserem Gedächtnis zu tun?


Auf der hormonellen Stressachse wird über die Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse (HHN) die Ausschüttung verschiedener Hormone (CRH, ACTH) in Gang gesetzt. Ein besonders relevantes Hormon ist das in der Nebennierenrinde produzierte Cortisol, welches nach ca. 20 Minuten sein Maximum erreicht. Dies ist zuerst einmal sehr nützlich, da es in der akuten Situation z.B. entzündungshemmend wirkt. Das Blackout bei unserer Präsentation entsteht, indem erhöhte Cortisolwerte den Blutfluss im Hippocampus (einem Teil unseres Gehirns) reduziert. Dieser ist wichtig für den Abruf von Informationen aus unserem Gedächtnis.


Problematisch ist nun, wenn wir von einer stressauslösenden Situation in die nächste stolpern: auf den Stress vor der Präsentation folgen die spitzfindigen Fragen aus der Runde der Zuhörenden, im nächsten Meeting werden scheinbar unlösbare Probleme gewälzt und später teilt die Chefin mit, dass wir bei der Zielerreichung nicht auf Kurs sind. Ein Kollege bucht uns einen Termin in die Mittagspause rein, so dass wir das Sandwich vor dem PC essen. Abends zu Hause dann noch Mails beantworten, weil den ganzen Tag keine Zeit dafür war…und die Familie beklagt sich, dass der versprochene Ausflug immer noch nicht stattgefunden hat.


Wer unter Dauerstrom steht, dessen Körper produziert ständig Cortisol. Normalerweise gibt es einen Rückkoppelungsmechanismus, der dem Hypothalamus meldet, dass die Cortisolkonzentration hoch genug ist, und wieder gedrosselt werden sollte. Unter chronischem Stress versagt dieser Mechanismus und es kommt zu einer Störung, z.B. zu einem dauerhaft erhöhten Cortisolspiegel. Das kann – je nach individueller genetischer/biologischer Disposition – Krankheiten wie Erschöpfung, Depression, Burnout, Herzkreislauf-Erkrankungen, Diabetes u.v.m. nach sich ziehen.


Es lohnt sich also, diese Stressmechanismen zu kennen und aktiv etwas zu tun, sowohl gegen die Stressursachen als auch für die Vermeidung und Regulierung von Stressreaktionen und die Erholung nach der Stress-Situation.


Für individuelle Beratung stehe ich gerne zur Verfügung.


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