Ist Achtsamkeit eine Erfindung des 21. Jahrhunderts?

Aktualisiert: 24. Aug. 2021


Der Begriff Achtsamkeit wird heutzutage schon fast inflationär gebraucht. Doch kaum jemand weiss, woher er stammt und was er im Kern bedeutet. Manche sagen zudem, dass Achtsamkeit ein vorübergehender Mode-Hype sei. Stimmt das? Ist Achtsamkeit eine Erfindung unserer Zeit, weil viele Leute gestresst sind und nach Auswegen suchen?


Der Begriff Achtsamkeit stammt ursprünglich aus der buddhistischen Meditationspraxis. Im Sanskrit bedeutete „satipatthana» Gewahrsein und Vergegenwärtigung. Doch was ist damit gemeint? Umfassendes und waches Wahrnehmen und Beobachten von dem, was im gegenwärtigen Moment da ist und gleichzeitig umsichtiges und wertschätzendes Achten und Acht geben sind Bedeutungsinhalte von «saitpatthana».


Achtsamkeit bedeutet also mehr, als einfach nur aufmerksam zu sein. Es bedeutet auch mehr als bewusst eine Blume anzuschauen oder ein Stück Schokolade im Mund intensiv zu schmecken. Wenn ich das immer wieder tue, bin ich dann ein achtsamer Mensch? Wenn ich mir Achtsamkeit als Fähigkeit zu eigen machen möchte, dann komme ich nicht darum herum, diese regelmässig in Form von Meditationsübungen zu trainieren. Meine Armmuskulatur wird auch nicht stärker, nur weil ich ab und zu einen Stein hochhebe. Unser inneres Achtsamkeitsnetzwerk bildet nur dann neue Nervenfasern und -verbindungen, wenn wir dieses häufig – am besten täglich – für einige Minuten intensiv aktivieren. Wenn wir dies tun, dann fällt es uns auch im Alltag leichter, wirklich und umfassend achtsam zu sein: die eigenen Gedanken, Emotionen und Körperempfindungen oder den emotionalen Zustand oder die Aussagen und den emotionalen Zustand meines Gegenübers aus einer Metaebene wachsam und wertschätzend/nicht bewertend wahrnehmen.

Besonders intensiv können wir die formelle Achtsamkeitspraxis üben, indem wir uns ganz auf unseren Körper konzentrieren, eine Entspannungsreaktion auslösen und diesen Zustand über einige Zeit wertfrei beobachten und halten. Dabei werden Gedanken ruhiger, Emotionen beruhigen sich, die Körperwahrnehmung wird subtiler und Körperempfindungen werden intensiver. Diese Methode nennt sich med. Achtsamkeits-Interozeption®.


Der Begriff Achtsamkeit und die Achtsamkeits-Meditation sind keine Erfindungen aus dem Silicon Valley. Sie sind schon jahrtausendealt. Die Achtsamkeits-Interozeption® - Hun Yuan Zhuang – stammt ursprünglich aus dem Daoismus im antiken China. Daoismus ist eine philosophische Lehre, die auf den Weisen Laozi (ca. 500 v.u.Z.) zurückgeführt wird. Bereits damals erkannten die Menschen die Notwendigkeit, sich täglich Zeit für Stille sowie die Pflege von Körper UND Geist zu nehmen, um trotz der täglichen Anforderungen gesund zu bleiben. Wang Anping (*1938) hat die Methode in China vor rund 80 Jahren zeitgenössisch konzeptualisiert und an das heutige westlich-wissenschaftliche Verständnis angepasst. Toll, dass die Achtsamkeits-Interozeption® uns dadurch auch heute noch zur Verfügung steht.


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